Suche Sinn, biete Finderlohn.

Montag, 31. Mai 2010

„Du erkennst mich nicht wieder, allein. Mein Gesicht sei noch gleich und du weißt nicht, ob das reicht, um nicht alleine zu sein.“

Es tut mir weh, diese Zeilen zu schreiben, denn ich habe bemerkt, dass es vor ein paar Monaten ganz anders in mir aussah, wenn ich an dich und an uns gedacht habe.
Und bitte, ich weiß doch auch, dass wir es schaffen werden, dass wir sowieso alles schaffen werden, aber es fällt mir so schwer.
Es kommt mir vor, als hätten wir in den letzten Tagen, Wochen, Monaten zu viel gesprochen und nun sind keine Worte mehr vorhanden, die das beschreiben könnten, was momentan vor sich geht. Denn da ist nichts, da ist absolut nichts, was ich dir momentan sagen kann- auch wenn ich es noch so gerne möchte.
Es fällt mir schwer, dich anzulügen und ich möchte es auch eigentlich nicht tun- aber es fällt mir noch schwerer, dir die Wahrheit zu sagen.
Die ist nämlich, dass ich dir eigentlich nichts zu sagen habe.
Aber momentan bin ich selbst zu schwach, um dir das zu gestehen. Ich komme nicht los von dir, denn ich weiß, dass es dich verletzen würde, wenn ich dich bitten würde, mich für eine Zeit lang in Ruhe zu lassen. Ich will dich nicht verlieren, aber ich muss dich auf Abstand halten, denn momentan bin ich schrecklich.
Schrecklich zu dir, schrecklich zu anderen Personen, die ich liebe und schrecklich zu mir.
Ich musste eben weinen, und das ganz grundlos. Mir tut es Leid, was ich dir antue, mir tut es Leid, wie ich dich behandele, aber momentan kann ich einfach nicht anders. Selbst wenn ich mich noch so stark wehrte- es würde nicht klappen.
Ich bitte dich nur um eins: Sei da, wenn ich wieder bei mir bin und weiß, dass ich dich niemals, niemals verlassen werde. Und verzeih mir meine Fehler.

Mittwoch, 26. Mai 2010


Wie kannst du wissen was ich mein',
wenn ich tagelang nichts sag'
und nur mit geschlossenen Augen
aus diesem Zimmer starr'.

„Sag mal Johann kann es sein,
dass du ständig müde bist?
Und ist es möglich, dass kein Schlaf hilft
und du irgendwas vermisst?“

Spritze(ndes) Blut



"Ich will diese Nachricht nicht mit „Liebe“ anfangen, denn das klingt zu formell.
Was ich dir jetzt schreibe, ist wohl so ziemlich persönlich, deswegen will ich diese Mail wohl auch nicht mit diesen beschissenen Höflichkeitsfloskeln anfangen, denn ich weiß, bzw. zumindest hoffe ich das, dass du weißt, dass ich dich mag. Ohne dieses viele „Ich mag dich“/“Ich hab’ dich echt gern“ und so weiter.
Aber jetzt zum eigentlichen Teil des Briefes.
Ich wollte dir schreiben, was ich will. Was ich wirklich will, meine ich. Das heißt, ich schreibe hier jetzt nicht meine Wunschliste von CDs und Klamotten drauf, sondern das, was ich immer für mein Leben, für meine menschlichen Beziehungen zu anderen und für mich wollte- oder immer noch will.
Ich will, dass ich frei bin. Und wenn ich frei schreibe oder sage, dann meine ich es auch so. Ich will keinen Alltagsjob, an den ich gebunden bin. Ich will nicht um 8 Uhr aufstehen, um halb neun nach Hause kommen und mit meiner Freundin oder Frau fernsehen. Ich möchte schlafen, wenn ich müde bin, ich möchte rennen, wenn mir danach ist und ich will malen, wann immer ich einen kreativen Schub habe.
Ich will mich nicht vom Steuernzahlen abhängig machen, ich will keine Regeln befolgen, die andere für mich aufstellten, ich will mir nichts vorschreiben lassen.
Ich will nicht jeden morgen dafür sorgen, mir einen Schuss zu geben. Ich will die Narben nicht mehr sehen, ich will frei sein. Auch von diesem Teufelszeug, was mein Lebenselixier ist. Kannst du das verstehen? Ich habe immer rebelliert. Gegen alles und jeden. Und dann verfalle gerade ich der Materie und spritze mir täglich diese Scheiße in die Adern, auf deren Blut ich früher stolz war.
Ich will, dass ich jemanden finde, über den ich ganz stolz sagen kann: Diese Person gehört zu mir. Sie ist meine besser Hälfte, mein Herz gehört ihr. Und ich meine, wieso brauche ich es überhaupt, es ist doch nur ein Organ.
Ich möchte, dass mich die anderen Menschen mit dieser einen Person in Verbindung setzen. Ich möchte aufwachen und denken: Egal was kommt, sie ist bei mir.
Ich will fallen und nie aufkommen.
Ich will so frist- und endlos glücklich sein, dass ich denke, mein Kopf zerspringt. Ich will tanzen, bis ich kaum noch atmen kann und alle negativen Gedanken aus dem Kopf weggedreht wurden. Ich will lieben.
Ich will leben."

Problem?

Zeiten ändern sich und du hörst plötzlich auf, rumzuheulen.
Du sitzt da und hörst ihnen zu. Die Probleme fließen wie Wasser den Abfluss herunter, sie werfen sich in deine Arme und beklagen sich, dass alles so schlimm sei.
Und du sitzt da und würdest ihnen am Liebsten das Maul stopfen.
Du hast früh gelernt, den Kopf hoch zu tragen, du hast früh gelernt, niemanden zu nah an dich ranzulassen. Zu früh, zu spät, was macht das für einen Unterschied.
Im Endeffekt sitzt du ihnen wieder gegenüber und denkst, wie froh du wärest, wenn du ihre Probleme hättest. Und was sie sich für Gedanken machen! Da ist selbst mein vernarbtes Gesicht zu schön, um es mit so was zu belasten.
Doch du sitzt da und lächelst, zitierst dumme BRAVO - Ratschläge und beteuerst, dass alles besser wird. Du begleitest sie zur Tür, drückst sie fest und musst fast kotzen, weil dir alles so weh tut.
Verdammt, manchmal bin ich froh, meine Probleme auf den eigenen Schultern tragen zu können. Wie ihr zusammen brächet, wenn ich euch damit belasten würde!

Freitag, 21. Mai 2010

„Und es erinnert mich jeden Kleinigkeit an sie. Wenn ich die Platten sehe, die Bilder an der Wand, noch nicht mal die Fotos, verstehst du! Allein die Bilder, die wir zusammen ausgesucht haben.
Alles schreit ihren Namen, alles schreit nach ihr.
Manchmal frage ich mich, was sie eigentlich mehr vermisst; meine Seele oder meine Augen, die sie nicht mehr sehen können, die sie nicht mehr suchen, zwischen all den anderen auf irgendwelchen Partys oder bei den Lesungen. Und der Mund! Er kann ihren Namen nicht mehr aussprechen, ohne dass seine Winkel im nächsten Moment nach unten wandern.
Ich vermisse jede Kleinigkeit. Alles, was mir früher unwichtig, gar lästig schien, ist jetzt das, was mich zum Heulen bringt.
Man könnte das alles positiv sehen. Hey, ich habe jetzt am Morgen eine halbe Minute länger, weil ich nicht ihre Kaffeetasse wegräumen muss! Aber ich vermisse es so. Ich vermisse es, ihre Haare aus dem Abfluss zu sammeln, ich vermisse es, die U-Bahn ihretwegen zu verpassen, ich vermisse es, das Bettlaken jeden Morgen nicht verknüllt vorzufinden.
Und niemand versteht mich.
Ich glaube, es wäre leichter, die Trauer mit jemanden zu teilen, aber ich kenne niemanden, der sie ansatzweise so sehr geliebt hat, wie ich es tu.
Alle reden davon, dass sie mich verstehen. Dass ich meine Zeit bräuchte und dass es besser wird. Aber was soll besser werden? Das ist keine frustrierte Frage, ich will nur Klarheit: Für was lebe ich, wenn nicht für sie? Und wieso sollte ich die Zeit nutzen, die mir die Menschen gütigerweise schenken, damit ich mich wieder fangen kann? Wie kann ich „zu mir selbst“ finden, wenn der beste Part von mir gegangen ist?Wie kann ich weitermachen, wenn ich im Kreis renne und es kein Ziel gibt?
Und wieso sagen sie alle, es tue ihnen leid, wenn sie nicht wissen, was MIR leid tut?!
Mir tut leid, dass ich so oft so unehrlich zu dir war. Dass ich dich belogen habe, dass ich dich hintergangen habe. Dass ich nicht meine gesamte Aufmerksamkeit dir gespendet habe, wenn es dir wichtig war. Dass ich deine Hand nicht gehalten habe, als du sie mir hingehalten hast. Dass ich gelacht habe, als du über deine Träume gesprochen hast. Dass du mit mir nie richtig über den Tod reden konntest.
Und dass ich dir nie gesagt hast, dass du mich glücklich gemacht hast.
Dass du mein Glück warst.
Bist.“

Donnerstag, 20. Mai 2010



Ich muss schon sagen, ich liebe dich.

Dienstag, 18. Mai 2010

HerzBlut

Ich habe dir mein Herz vor den Füßen ausgekippt.
Das ist wie wenn man einen Krug mit Orangensaft umwirft und der dickflüssige Saft
dann langsam von der Tischplatte auf den Boden tropft.
Und dann lag da also das, was sich die Innereien meines Organs, das so fleißig Blut in mich pumpt, nennt.
Erstaunt blicke ich auf die Pfütze hinab, von hier oben sieht alles so winzig aus. Und trotzdem erkenne ich die Erinnerungen, die im Blut mitschwimmen. Ich sehe dich lachen und mich weinen, ich sehe Wut und erkenne viele Situationen wieder, in denen ich mich als glücklich bezeichnet habe.
Da sind sie also, die Memoiren unserer Beziehung, die ich so lange verdrängt habe, bis das Fass überlaufen musste. Und nun ist es ausgerechnet vor deinen Füßen passiert, obwohl du doch der Grund warst, warum ich das alles versteckt habe.
Und nun wurde der ganze Plan zerstört, nur weil ich nicht reden möchte. Manchmal ist es zu anstrengend, den Mund zu öffnen, die Worte zu Sätzen zusammen zu fügen und dir zu erklären, warum man eigentlich nicht erklären möchte. Meist artet das dann zum Streit aus, meist muss ich dann noch mehr erklären.
Auch das kann man erkennen, in den Linien, die das Blut zeichnet. Die Worte, die Sätze und die Lügen, die uns verfolgten wie die Katze die Maus.

Die Lache breitet sich immer mehr aus und ich denke noch: „Wie gut, dass hier kein Teppichboden liegt!“, als du mit deinen Turnschuhen mitten rein trittst.
In mein Herzblut, in meine Erinnerungen, in unser altes Leben.
Du müsstest deinen Weg jetzt fortsetzen, erklärst du und säuberst die Schuhe mit einem Einweghandtuch.
Weißt du, dass man das danach wegwirft?