Suche Sinn, biete Finderlohn.

Dienstag, 18. Mai 2010

Rebell


Du trinkst Bier und Wodka, du bist ein Rebell.
Du schwänzt wöchentlich einmal den Nachmittagsunterricht, du bist ein Rebell.
Du wirfst Steine auf den Demos, du bist ein Rebell.
Du hast dir einen Mercedesstern geklaut und dieser hängt jetzt an deinem Rucksack, du bist ein Rebell.
Du schreibst extra schlechte Noten, damit sich deine Eltern aufregen, du bist ein Rebell.
Du wirst später nicht wählen gehen, bringt ja eh nichts, die ganze Scheiße, du bist ein Rebell.
Du läufst ganz rot im Gesicht an, wenn du dich über alles aufregst, du bist trotzdem ein Rebell.
Wenn es das Taschengeld von Mami und Papi zulässt, kaufst du dir teures Gras, dann wirst du als Rebell gefeiert.
Deine Argumente sind die besten und stärksten, sodass du dir die anderen gar nicht anhören musst. Ja, ich geb’s zu, du bist ein Rebell.
Wenn du mit deinen Buttons auf den Hosen durch die Schule läufst, hier und da mit deinen Freunden abklatscht, dann sehen sie dich alle an. Sie wollen so sein wie du, so ein toller Rebell.
Du hast dem Mathelehrer einfach mal so deine Meinung gesagt, ist ja eh alles für den Arsch, wofür brauchst du Kreisberechnungen, wenn du schon das hast, was du immer wolltest? Du bist schließlich ein Rebell! Und die zeigen dann auch mal den Vorgesetzten der Schule den Mittelfinger. Starker Rebell!
Du weißt alles, du kannst alles, du bist cool, du wirst eingeladen, dein Leben ist easy und du bist eigentlich glücklich.
Aber Rebellen dürfen nicht glücklich sein. Rebellen sind wütend.

Sonntag, 16. Mai 2010


Wieso sagst du, du weißt, wie's mir geht, obwohl du weißt, dass du's nicht weißt, weil es nicht geht?
Chissmann - Schmerzhaft

Herzlos

Ich bin mein Herz los.
Es hängt jetzt irgendwo bei dir an deiner Pinnwand, neben all den anderen Sachen, wie Konzertkarten und Briefen, die sich im Laufe des Jahres angesammelt haben.
Es fällt nicht besonders auf, es hat aufgehört zu bluten und nun wurde es einfach mit einer billigen Reiszwecke auf die staubige Pappe geheftet. Wenn du morgens aus der Dusche kommst, dein T-Shirt im Chaos suchst, wenn du nachts nach Hause kommst und dich schlafen legst, dann hängt es dort und wartet, dass du es bemerkst. Vielleicht fällt es dir auf, wenn du aus deiner Wohnung ziehst und die Pinnwand abnehmen musst. Vielleicht erkennst du dann, dass ich immer bei dir war.
Ich habe keine Nachricht hinterlassen und ja, vielleicht verwundert dich das, weil ich doch immer für alles Worte gefunden habe.
Aber nun bin ich wie du, Herzlos und befreit von dir. Und du trägst die Verantwortung für das, was in deiner Hand liegt: der kalte Stein, medizinisch Organ, Herz genannt.

Klären wir die Angelegenheit wie zwei Vernünftige.

"Da stehst du also auf der Straße, bekleidet mit deiner Jacke und zwei Koffern. Komisch, wie wenig von all der Zeit übrig geblieben ist. Und es passt in zwei Koffer, das muss man sich mal vorstellen!
Du schüttelst ganz formell meine Hand, blickst mir noch einmal in die Augen und wünscht mir „nur das Beste“.
Und als du dich umdrehst und gehst, weiß ich, wie meine Zukunft aussieht: Zum Geburtstag und zu Weihnachten eine Karte, eine Sms oder E-Mail. Hauptsache die ganze Gelegenheit freundlich und geklärt abschließen. Wenn wir uns treffen, wirst du überrascht grüßen, die normalen Alltagsfloskeln und „Lass uns doch mal wieder auf einen Kaffee treffen!“ werde ich mir auch anhören.
Ich sehe dir lange nach. Komisch, dass ich die Zeit nicht als „verschwendet“ empfunden habe. Und ich weiß, dass wenn du mich jetzt hier stehen sehen würdest, du es nicht verstehen könntest.
Aber wie kannst du mit so leichten, federnden Schritten in dein neues Leben gehen, obwohl ich an dem Punkt verharre, an dem du mich allein gelassen hast?

Ich schließe die Tür und blicke ins Treppenhaus. Da haftest überall du. Und noch nicht mal ein neuer Anstrich könnte etwas daran ändern, dass das Neue keinen Platz findet, in dem Leben, das deinen Namen trägt."

Samstag, 8. Mai 2010

„Die Sonne scheint. Kannst du dir das vorstellen? An solch einem Tag strahlt die Sonne! Mir scheint, als sei Gott der Künstler der Ironie, denn wie kann etwas Gutes so falsch sein?
Ich habe Angst, wie noch nie im Leben. Ich möchte fallen, fallen und fallen und den Aufprall nicht miterleben, weil ich im Fall sterbe. Stell’ dir das einmal vor: Ich springe einfach und sterbe durch die Luft, die an meinen Ohren vorbeizischt, die meine Haare in die Luft reißt und die meine Lugen explodieren lässt. Stell’ dir das nur einmal vor! Dagegen ist ertrinken grade zu langweilig.
Erinnerst du dich noch an den einen Tag, an dem wir uns über den Tod unterhalten haben? Du sagtest mir, du wollest dich vor einer großen Leinwand erschießen, wenn es denn so weit wäre. Das Bild, das von deinem Blut und deinen Organen gezeichnet werden würde, ließest du dann an deine Feinde schicken. Und sie würden dieses Bild nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Es würde sich in ihre Gedanken fressen, es würde sie in den Schlaf begleiten und sie nicht mehr loslassen. Sie könnten kein Fleisch mehr essen, ohne an das Bild zu denken, das sie wahrscheinlich schon längst vernichtet hätten. Sie könnten keinen Menschen mehr anfassen, ohne ein schlechtes Gefühl in der Magengegend zu bekommen.
Weißt du noch, wie du gelächelt hast, bei der Vorstellung, wie sehr sich die Menschen quälen, wie oft sie in Gedanken deinen Namen nennen und sich zur Hölle verfluchen würden?
Ich erinnre’ mich noch genau an diesen Tag.
Und ich weiß, dass du es nicht mehr tust.“


Heute möchte ich sterben.
Nein wirklich, heute möchte ich, dass mein Herz aufhört zu schlagen. Ich möchte einfach den morgigen Tag nicht mehr miterleben. Und weißt du was? Ich habe noch nicht mal einen richtigen Grund dafür.
Aber warum braucht man den auch immer?
IMMER wollen die Menschen Argumente für die Taten, die ich vollziehe. Wieso ist das so? Wieso kann man nicht einfach in den Moment „hinein leben“?
Ich sage es dir: Weil es dumm wäre, so etwas zu tun. Weil niemand es lange aushalten würde. Denn im Endeffekt kommen die Fragen. Sie prasseln auf dich ein, wie der Regen auf das Vordach unseres Hauses, nur leider machen sie keine so schönen Geräusche wie die großen Wassertropfen.
Ich möchte sterben.
Ich möchte sterben.
Wieso stirbst du nicht mit mir?"

Organhandel

Kennst du das, wenn du denkst, du stirbst, weil dein Herz nicht mehr schlägt, weil es jemandem anders gehört?
Nein, natürlich kannst du solch ein Gefühl nicht kennen, denn du besitzt es ja.
Mein Organ, das eifrig Blut in meinen leeren Körper pumpte, den ich so schlecht behandelte wie du das Sofa deiner Eltern.
Und manchmal knöpfe ich mir mein Hemd auf, um zu gucken, ob man die Wunde nicht sehen kann, denn ich spüre ihn immer noch, den Punkt, an dem du es mir rausrisst.
Ich fühle mich wohl ohne das Organ, das mich süchtig werden ließ. Oder war es mein Kopf?

(Bal)Last

Ich fand das immer albern, das weißt du. Ich empfand diese Menschen als lästig, die ihren Kummer und ihre Wut im Internet preisgaben.
Aber ich vergaß meine Grundprinzipien, zum ersten Mal, als ich diesen Hass in mir verspürte. Das ist absurd, ich weiß. Es ist absurd, jemanden zu hassen, den man so sehr braucht und liebt. Aber vielleicht unterdrückte dieser Hass auch einfach die anderen Gefühle, die mich erdrückten und erdrücken.
Du erdrückst mich.
Die Zeit, die ich mit dir verbracht habe und an die ich mich jetzt immer erinnere erdrückt mich.
Dich zu sehen erdrückt mich.